Die Messen Art Rotterdam und Unseen Photo Fair ziehen jetzt an einem Strang
„Eine der Stärken der Art Rotterdam ist ihr treues Publikum“, sagt Fons Hof, Gründer und langjähriger Direktor der wichtigsten niederländischen Kunstmesse. Er fügt hinzu: „Viele niederländische und internationale Sammler besuchen die Messe seit Jahren. Da haben sich einfach Langzeitbeziehungen zu den Ausstellern aufgebaut. Diese Kontinuität ist extrem wertvoll für uns.“

Hadassah Emmerich: Oben Ohne V, Oil and acrylic on canvas, 2024, © Gallery Ron Mandos
Ganz offenbar hat es der Messe auch nicht geschadet, dass sie im vergangenen Jahr ihren von vielen Besuchern heißgeliebten, langjährigen Standort in der ikonischen Van Nelle Fabriek, einem zum UNESCO-Welterbe zählenden Industriedenkmal aus den 1920er Jahren, aufgeben musste. Letzten Endes sind Niederländer ebenso flexibel wie pragmatisch. Wollte man die Messe in die Zukunft führen, so musste man sie früher oder später an einen Ort verlegen, der über ausreichend Platz verfügt, gut erreichbar ist und eine professionelle Infrastruktur bereithält. Das Veranstaltungszentrum Ahoy im Süden der Stadt bietet all diese Voraussetzungen. Weshalb sich ab der diesjährigen 27. Ausgabe auch die bisher in Amsterdam angesiedelte, wichtigste niederländische Fotomesse, die Unseen Photo Fair, mit der Art Rotterdam zusammengetan hat, um durch diese strategische Allianz von Synergieeffekten zu profitieren. Beiden Messen stehen insgesamt 14.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Paul Beumer
A sign in space, 2026
batik on cotton
140 x 180 cm, © Galerie Dürst Britt & Mayhew
Was plant Fons Hof für die diesjährige Ausgabe? „Im letzten Jahr haben wir Erfahrungen mit den neuen Räumen gemacht, die wir in diesem Jahr in ein verfeinertes Raumerlebnis und „Grundrauschen“ der Messe umsetzen werden.“ Konkret heißt das: Die einzelnen Sektionen werden stärker kuratiert sein, und die Besucher werden mehr Platz zum Flanieren, Ausruhen und zum Austausch haben.

Katja Pilipenko: aus der Serie „The Other Russia“, Foto: Henning Rogge
Mehr als 150 Aussteller werden in diesem Jahr erwartet. Zu den Erstteilnehmern der Art Rotterdam zählt in diesem Jahr die Hamburger Galeristin Melike Bilir. Sie stellt in der auf jüngere Positionen spezialisierten New Art Section aus und hat sich für eine Solo-Präsentation der 1989 in Moskau geborenen und in Hamburg lebenden Exil-Russin Katja Pilipenko entschieden. Pilipenko setzt sich in unterschiedlichen Medien wie Installationen, Videos, Druckgrafiken und Skulpturen kritisch mit der Hinwendung Russlands von einer postsowjetischen Demokratie zu einem autoritären Regime mit staatlich gesteuerten Propaganda-Medien auseinander. Gezeigt wird ihre Zeichnungsserie „The Other Russia“, in der sie die Cover geschichtsrevisionistischer Schundromane abzeichnet und mit Antikriegsgedichten kombiniert.

Henk Visch: Broken Heart, © Gallery Bloom
Ebenfalls aus Deutschland, nämlich aus Düsseldorf, kommt die 2020 von der Koreanerin Ji Sue Byun gegründete Galerie Bloom. Mit im Gepäck hat sie eine perfekt auf Rotterdam abgestimmte Duo-Präsentation. Mit Henk Visch, Jahrgang 1950, zeigt Bloom einen einerseits etablierten, andererseits immer wieder für neue Überraschungen guten „Altstar“ der niederländischen Szene. Der lange Zeit an der Kunstakademie Münster lehrende Professor ist bekannt für seine zwischen Figuration und Abstraktion changierenden Arbeiten auf Papier und Skulpturen, die den Grundkonstanten der Conditio humana immer auch etwas Humorvolles abgewinnen. Sara Rossi, 1981 in Italien geboren, hat an der Frankfurter Städelschule bei Monika Baer studiert. Auf ihren mal luftig-leichten, mal an strenge Bühnenbildentwürfe erinnernden Gemälden und Mixed-Media-Arbeiten steht häufig die Beschäftigung mit dem weiblichen Körper im Fokus. Was gefällt Ji Sue Byun an der Messe?„Attraktiv an der Art Rotterdam ist »Prospects« – eine vom Mondriaan Fund kuratierte Ausstellung, die junge Absolventen präsentiert. Dadurch entsteht ein lebendiger Austausch mit der niederländischen Kunstzene“, sagt sie. In der Tat kann man auf der mittlerweile 14. Ausgabe dieser kuratierten „Talentschau“ 92 junge Positionen entdecken, von denen einige sicherlich in Zukunft im Hauptteil der Messe zu sehen sein werden.

Sara Rossi: Untitled, 2025, Foto: Julian Blum
Zu den Big Shots der niederländischen Galerienszene gehört zweifellos die Amsterdamer Galerie Ron Mandos. „Die Rotterdamer Messe gleicht immer wieder einem großen Fest“, konstatiert Ron Mandos. Auch er setzt auf eine Doppelstrategie: Etablierte Künstler wie Hans Op de Beeck, Anselm Reyle oder Atelier van Lieshout treffen an seinem wie immer ausufernd großen Stand auf die drei Newcomer Mats Mingus, Josquin van Elburg und Matias Salgado, die allesamt aus dem Graduiertenprogramm der galerieeigenen RM Young Blood Foundation hervorgegangen sind. Die für ihr oft konzeptuell unterfüttertes Programm bekannte Galerie Dürst Britt & Mayhew aus Den Haag setzt in diesem Jahr auf Kontraste: Drei bereits verstorbene Künstler werden drei jungen Positionen aus dem Galerieprogramm gegenübergestellt. Zu sehen sind Gemälde, Zeichnungen und Textilarbeiten. Das Ganze in einem Standdesign, bei dem „Kuhfelle und Federn für Auflockerung sorgen“ sollen. Man darf gespannt sein…

Anselm Reyle: Untitled, Mixed Media on burlap chrome optics, 2025, © Gallery Ron Mandos
Kriege, Krisen, Klimakatastrophe. Sind auch für den Kunstmarkt die besten Jahre vorbei? Dazu noch einmal Fons Hof: „Ich würde nicht sagen: Die Jahre des Booms sind vorbei. Aber der Markt ist selektiver geworden. Es wird weiterhin gesammelt, aber viel stärker auf Qualität und die Zukunftsaussichten von Künstlern und Galerien Wert gelegt. Das bestärkt uns in dem Bestreben, als Messe noch mehr auf eine klare Identität zu setzen.“

Jacqueline de Jong (1939-2024)
War 1914-1918 (War Series), 2013
Pastel and charcoal on paper
50 x 70 cm (sheet)
58 x 77 (frame)
© Galerie Dürst Britt & Mayhew
Auf einen Blick:
Messe: 27. Art Rotterdam
Ort: Rotterdam Ahoy , Ahoyweg 10 3084 BA Rotterdam
Zeit: 26.3. 11-16 Uhr VIP Preview. 16-21 Uhr Vernissage (beides nur mit Einladung)
27.3. – 29.3. jeweils 11-19 Uhr
Internet: www.artrotterdam.com
Eintrittskarten sind ausschließlich online erhältlich

Matias Salgado: Three Figures part 2, Oil on canvas, 2025, © Gallery Ron Mandos

