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Die Kunst der stilvollen Verschlankung

26.04.26  Von Nicole Buesing und Heiko Klaas


Trotz krisenbedingtem Aderlass im Hauptsektor überzeugt die 42. Art Brussels mit spannenden Neuentdeckungen und gleichbleibender Qualität

Auf einmal diese Übersicht: Regelmäßige Besucher:innen der Art Brussels haben einen großen Teil der Halle 6 des Brüsseler Messegeländes noch als Entdeckerforum in Erinnerung, in welchem sich exklusiv die jüngeren Galerien des Discovery-Sektors tummelten. In diesem Jahr ist das erstmals anders. Der bei jüngeren und couragierten Sammler:innen besonders beliebte Teil der Art Brussels hat an Attraktivität zwar nichts eingebüßt. Allerdings bildet er nunmehr einen langen Gang in der Haupthalle. Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Krise ist die Zahl der Aussteller auf der 42. Ausgabe der nach der Art Cologne zweitältesten Kunstmesse der Welt auf 139 (Vorjahr 165) zurückgegangen. Betroffen davon ist aber in erster Linie der Hauptsektor Prime. Dieser hat kräftig Federn lassen müssen. Die Anzahl der Galerien ist hier von 108 auf 83 gesunken. Daher tummeln sich alle Galerien in diesem Jahr in der Halle 5. An Internationalität hat die Messe nichts eingebüßt. Das Teilnehmerfeld setzt sich aus immerhin 26 Nationen zusammen.

 

Auf der Art Brussels, Foto: Martin Pilette for Bureau Rouge Art Brussels

Messedirektorin Nele Verhaeren, die gleichzeitig auch für die im Dezember stattfindende Art Antwerp verantwortlich ist, führt für den Schwund diverse Gründe an: „Wie wir wissen, sind Galerien deutlich wählerischer bei ihren Teilnahmeentscheidungen geworden. Und auch Sammler:innen überlegen sich heute ganz genau, wie oft und wie weit sie reisen wollen“. Kein Zweifel. Eine gewisse Messemüdigkeit ist durchaus spürbar – nicht nur in Brüssel. Abhängig vom Ausgang des Iran-Konflikts und dessen Auswirkungen auf den weltweiten Reiseverkehr, könnte sich diese sogar noch weiter verschärfen.

 

Messedirektorin Nele Verhaeren, DAVID PLAS PHOTOGRAPHY

Nele Verhaeren hat den krisengedingten Aderlass zum Anlass genommen, die frei gewordenen Flächen in der Halle 6 für die neu geschaffene Sektion Horizons und ein großflächiges Gastronomieangebot zu reservieren. Sie hat aus dem geänderten Verhalten seitens der Aussteller und des Publikums folgende Schlüsse gezogen:

Erstens: Die Messe muss sich noch stärker als zuvor als kulturelles Event verstehen. Dazu gehört etwa die enge Zusammenarbeit mit wichtigen Brüsseler Sammlern wie Frédéric de Goldschmidt, der wenige Tage vor Beginn der Art Brussels unter dem Titel „Is that all there is?“ eine hochkarätige und sorgsam kuratierte Neupräsentation seiner auf Minimal Art, Arte Povera, konzeptuelle und post-konzeptuelle Positionen konzentrierten Sammlung im Zentrum der belgischen Hauptstadt eröffnete. Arbeiten von rund 50 Künstler:innen von Alighiero Boetti über Roni Horn bis hin zu Alicja Kwade und Julian Charrière sind darin zu sehen.

 

Halle 6: Horizons, Foto: Martin pilette for Bar Rouge Art Brussels

 

Aber auch die Ausrichtung eines spannenden Talk-, Screening- und Performance-Programms auf der Messe selbst gehört dazu. Die Tribüne in Halle 6 diente der kolumbianisch-amerikanischen Künstlerin und Poetin Ana Maria Caballero ebenso als Bühne wie der in New York lebenden britischen Künstlerin Nicola Tyson. Für eine auf Verkauf ausgerichtete Messe ungewöhnlich selbstironisch ist auch die von dem belgischen Kurator Bernard Marcelis zusammengestellte Ausstellung „Not Everything is for Sale“, in welcher 15 belgische Galerist:innen jeweils ein Werk zeigen, welches sie nie im Leben verkaufen würden. Zu sehen ist etwa ein früher Leuchtkasten von Jeff Wall aus der Sammlung von Greta Meert oder ein von Andy Warhol gemaltes Porträt der New Yorker Galeristenlegende Leo Castelli aus der Sammlung von Daniel Templon.

 

Jacqueline De Jong bei Dürst Britt & Mayhew in der Sektion Horizons, Foto: Galerie Dürst Britt & Mayhew

Zweitens: Die frei gewordene Fläche muss auf anderweitige Art genutzt werden. In der neuen Messe-Sektion Horizons präsentieren, ausgewählt von Devrim Bayar, Kuratorin am Kanal Centre Pompidou, sieben Galerien raumgreifende Arbeiten. Mit dabei ist auch die in Den Haag ansässige Galerie Dürst Britt & Mayhew, die ein wandfüllendes Gemälde aus der „Sailcloth“-Serie der Niederländerin Jacqueline de Jong (1939-2024) mit nach Brüssel gebracht hat. Es handelt sich um eines der größten Bilder, das die Künstlerin je realisiert hat. Darstellungen von Gewalt, Erotik und Humor verschmelzen auf dem Monumentalbild zu einem absurden Szenario voller menschlicher Figuren und Fantasiegestalten. Das Bild wird für 150.000 Euro angeboten. Noch größer dann das 4 x 17,5 Meter große Gemälde „Paradiesgarten“ (1983) von Oswald Oberhuber (1931-2020), das einst für den Steirischen Herbst geschaffen wurde. Präsentiert wird es gemeinsam von den Galerien Krinzinger und Galerie nächst St. Stephan aus Wien.

Im nächsten Jahr wird der Sektor Horizons von Chris Dercon, Generaldirektor der Fondation Cartier, Paris, kuratiert werden.

 


ART BRUSSELS
Ana María Caballero and Lena Marie Emrich
April 23-26, 2026
Booth 5A-33
All installation views
Foto: Choreo
Courtesy the artists and OFFICE IMPART

Es ist kurz nach drei Uhr am Vernissagetag der Messe. Wir befinden uns am Stand der Berliner Galerie Office Impart in der Discovery Sektion, als die Künstlerin Lena Marie Emrich in bester Laune auftaucht. Vor wenigen Minuten ist die in Brüssel lebende Deutsche, Jahrgang 1991, mit dem „Discovery Acquisition Prize 2026“ ausgezeichnet worden. Verbunden damit sind ein Ankauf und die Beteiligung an einer Ausstellung in einem Brüsseler Museum. Die Nachricht hat sich offenbar schnell herumgesprochen. Wenige Minuten später steht der Brüsseler Sammler Alain Servais am Stand und lässt sich die Arbeiten erklären. Johanna Neuschäffer und Anne Schwanz, die Betreiberinnen der in Moabit gelegenen Galerie, nehmen regelmäßig an der Art Brussels teil. „Wir haben uns für einen konzeptuellen Stand entschieden“, erklären sie. Mit Lena Marie Emrich und der 1981 geborenen kolumbianisch-amerikanischen Künstlerin Ana Maria Caballero zeigen sie zwei junge Positionen, die, ausgehend von Sprache und Dichtung, sensuell aufgeladene, skulpturale Objekte schaffen. Die neugierig machenden Arbeiten werden zu Preisen zwischen 4.200 und 11.000 Euro angeboten.

Office Impart gehört zu den 38 Galerien in der Entdeckersektion Discovery. Sie umfasst genauso viele Aussteller wie im letzten Jahr.

 

Stand der Galerie Sorry We’re Closed, Foto: Galerie Sorry We’re Closed

Die meisten der 139 verbliebenen Aussteller zeigen sich mit der neuen Übersichtlichkeit zufrieden. „Ich finde diese Größe für die Messe gut“, sagt Sébastien Janssen von der Brüsseler Galerie Sorry We’re Closed. „Alle Galerien sind dicht an dicht in einer Halle konzentriert. Die Qualität lässt sich so halten. Die Art Brussels ist europaweit eine der besten Messen im mittleren Segment und das sollte auch so bleiben.“ Auf einem rundumlaufenden Podest zeigt die radikal eklektisch agierende Galerie Skulpturen und Malerei. Mit Werken von 19 verschiedenen Künstlern, darunter auch der Berliner Thomas Kiesewetter, vermittelt sie einen breit gefächerten Überblick über die Bandbreite ihres Programms. Preise zwischen 5.000 und 100.000 Euro.

 

Gemälde von Alfredo Stampinato, Foto: Heiko Klaas

Die Galerie Calvares aus Buenos Aires zeigt zum ersten Mal in Europa Arbeiten des argentinischen Malers Alfredo Stampinato (1925-2012). Seine lakonischen Kompositionen in cremig aufgetragenen Gelb- und Ockertönen verbildlichen die Einsamkeit der argentinischen Pampa, aber auch das Vorrücken urbaner Strukturen. Die zu Preisen zwischen 5.000 und 10.000 Euro offerierten Arbeiten stießen bereits am Vernissagetag auf großes Interesse.

 

Porträt Kwama Frigaux, Foto: Heiko Klaas

Die Pariser Galerie Dix9 Hélène Lacharmoise überzeugt mit einer Solopräsentation der französisch-ghanaischen Künstlerin Kwama Frigaux, Jahrgang 1993. Ihr derzeit bevorzugtes Material sind leere Tablettenblister. Deren Inneres malt sie teilweise farbig aus, so dass sie an Kirchenfenster oder Edelsteinschatullen erinnern. Weitgehend unbearbeitet und zu quiltartigen Wandobjekten verdichtet, wiederum wecken Frigaux’ feinsinnige Blistertableaus beim Betrachter Vorstellungen sowohl von Verletzlichkeit als auch zwischenmenschlicher Fürsorge. Während diese Arbeiten eher wandfüllend daherkommen, bedienen Kwama Frigaux und ihre Galeristin aber auch den Wunsch nach kompakteren Werken. Inspiriert durch einen Gastaufenthalt in einem Kloster hat die Künstlerin eine ganze Serie von kleineren Arbeiten geschaffen. Fragmente der mit den Medikamentennamen bedruckten Aluminiumfolien auf der Rückseite der Blisterpackungen verdichtet Frigaux mittels filigraner Vernähungen auf weißem Seidenorganzastoff zu vielfach verzweigten floralen Gebilden. Präsentiert in traditionellen Flammleistenrahmen aus mehrfach kassettiertem dunklem Holz wecken diese Assoziationen an Werke der flämische Renaissance (Preise zwischen 3.400 und 12.000 Euro).

 

Kwama Frigaux: Untitled, Jumelles, Foto: Galerie Dix 9 Hélène Lacharmoise

Die Antwerpener Pizza Gallery zeigt eine Solo-Präsentation des in Gent lebenden belgischen Bildhauers Kasper De Vos, Jahrgang 1988. Vielfach stehen Lebensmittel im Zentrum seiner tiefsinnig ironischen, gleichsam persönlich-autobiografisch aufgeladenen Arbeiten. Denn Muscheln, Pommes Frites, Waffeln oder beliebte Käsesorten sind es, die das Land trotz aller sprachlichen und politischen Zerrissenheit zwischen Flamen, Wallonen und der deutschsprachigen Minderheit zusammenhalten. Am Stand zu sehen sind denn auch überdimensionale Esskastanien, Kirschen oder Käsestücke. De Vos’ ganzes bildhauerisches Können entfaltet aber eine Arbeit, die der Künstler als Selbstporträt betrachtet. Zwei übergroße Männerhände umfassen einen Holzstampfer, der in einer Art Butterfass steht, das allerdings aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einem blauen Deckelfass, wie es in der Chemieindustrie verwendet wird, eher etwas irritiert (Preise zwischen 1.200 und 8.000 Euro).

 

Kasper De Vos am Stand der Pizza Gallery, Foto: Heiko Klaas

Die in Brüssel und New York ansässige Galerie Nino Mier konzentriert sich ganz auf eine Solo-Präsentation der 1960 in London geborenen und seit 1989 in New York lebenden britischen Künstlerin Nicola Tyson, die sich in ihren Arbeiten mit Identitäts- und Genderfragen beschäftigt. Sie gilt sozusagen als eine Enkelin figurativer britischer Maler wie Francis Bacon oder Frank Auerbach. Am Stand von Nino Mier wird, fast schon einer kleinen Retrospektive gleich, eine Übersicht von Tysons malerischem und zeichnerischem Werk von den 1990er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart gezeigt (3.250 bis 43.500 Euro).

 

Nicola Tyson: Blue Eyed, 1996, Foto: Heiko Klaas

Auch wenn die Art Brussels in diesem (Krisen-)Jahr etwas kleiner und überschaubarer daherkommt, muss man sich um die Zukunft der Messe wohl keine Sorgen machen.

Auf der Art Brussels, Foto: Martin Pilette for Bureau Rouge Art Brussels

„Die Belgier sind neugierig auf Künstler, die sie noch nicht kennen, ganz im Gegensatz zu den Franzosen“, sagt Sébastien Janssen. „Sie lassen sich gerne überraschen. Das gehört zum belgischen Spirit. Und sie nehmen sich Zeit, um über Kunst zu diskutieren.“

Und wo sollten sie das lieber tun, als auf der auch in diesem Jahr mit viel frischer Ware aus aller Welt aufwartenden Art Brussels?

Wie am Sonntagabend bekanntgegeben wurde, hatte die Messe in diesem Jahr 25.969 Besucher:innen (2025: 24.776).

 

Auf der Art Brussels, Foto: Martin Pilette for Bureau Rouge Art Brussels

 

 

Auf einen Blick:

Messe: 42. Art Brussels

Ort: Brussels Expo, Place de la Belgique 1

Zeit: 23. bis 26.4.2026, Fr und Sa 11-19 Uhr, So 11-18 Uhr

Internet: www.artbrussels.com

Nächster Termin: 15. bis 18. April 2027

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Thomas Kiesewetter: Untitled for Brussels turquoise, Foto: © Martin Müller, Galerie Sorry We’re Closed

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Nicole Buesing und Heiko Klaas
Nicole Büsing und Heiko Klaas sind seit 1997 als freie Kunstjournalisten und Kritiker für zahlreiche Magazine, Tageszeitungen und Online-Magazine tätig. Daneben schreiben sie auch Katalogbeiträge. Sie leben in Hamburg und Berlin. Regelmäßige Veröffentlichungen über Kunst und Kunstmarkt z.B. in Kunstmarkt.com, Monopol, Artmapp, Hatjecantz.de, Artist Kunstmagazin, Artline, Spiegel online, DARE, Kultur & Gespenster, Photonews, Kunsttermine, Zeitkunst, Künstler-Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Next Level, Art, Die Welt, Der Tagesspiegel, www.artlog.net, diverse regionale Tageszeitungen wie Kieler Nachrichten, Weser-Kurier, Neue Osnabrücker Zeitung, Saarbrücker Zeitung, Südkurier, Nürnberger Nachrichten, Flensburger Tageblatt, Freie Presse, etc. klaas.buesing@gmail.com




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