Die Münchner Ausstellung „Antifascism: Now“ bildet den Auftakt eines transnationalen Ausstellungsprojekts, das Kunst als Waffe gegen faschistische und totalitäre Denk- und Handlungsmuster begreift
Gasthaus „Zum Schäfchen“ in Schnellroda: Das klingt nach einem harmlos-gemütlichen Landgasthof irgendwo in Sachsen-Anhalt. Doch weit gefehlt: Bei dieser Adresse handelt es sich um einen in der rechtsextremen Szene äußerst beliebten Treffpunkt und Veranstaltungsort. Dass öffentlich-rechtliche Medien, aber auch unabhängige Recherche-Netzwerke daran interessiert sind, hier investigativ tätig zu werden, um zu dokumentieren, welche bekannten Szenegrößen hier verkehren, liegt auf der Hand. Auch das seit mehr als 20 Jahren bestehende antifaschistische Journalist:innen-Kollektiv Recherche Nord begab sich im Jahr 2025 vor Ort, um Aufnahmen zu machen. Götz Kubitschek, dem in dem Gasthaus ein- und ausgehenden rechtsextremen Publizisten und Verleger mit engen Verbindungen zur Identitären Bewegung, gefiel das naturgemäß nicht. Er attackierte die Mitglieder von Recherche Nord. Es kam zu einem Gerangel, an dem sich weitere Personen beteiligten, und das von Gaffern beobachtet wurde. Festgehalten wurde das Ereignis durch die Bodycams der angegriffenen Journalist:innen.

Jonas Höschl & Recherche Nord: „Zum Schäfchen, Recherche Nord (POV)“ (2026), Foto: Christian Kain
Der Berliner Künstler Jonas Höschl nimmt das Bildmaterial jetzt zum Ausgangspunkt seiner Installation „Zum Schäfchen, Recherche Nord (POV)“ (2026), die in der Münchner Ausstellung „Antifascism: Now“ im städtischen Kunstraum Lothringer 13 Halle zu sehen ist. Höschl, Jahrgang 1995, der sich auf seiner Website als „politisch gelesener Konzeptkünstler und Fotograf“ bezeichnet, hat im Moment so etwas, was man als einen „guten Lauf“ bezeichnen könnte. So ist er aktueller Preisträger des Kunstvereins Hannover. 2024 wurde er zudem in Bremen mit dem Paula-Modersohn-Becker Kunstpreis ausgezeichnet. In seiner raumfüllenden Installation in München rekonstruiert er nun anhand eines Zweikanalvideos, Holzauf-stellern, die die Beteiligten repräsentieren, Fotografien, Tonaufnahmen und Schriftfolien auf dem Fußboden den Vorfall in Schnellroda. Und er rückt damit eine Entwicklung in den Fokus, die vielen Beobachter:innen Angst macht: das Offenbarwerden eines den Alltag immer stärker durchdringenden Konflikts zwischen rechtsnationalen Kräften und besorgten Antifaschisten.

Eingang Lothringer 13 Halle, Foto: Christian Kain
Höschls aufrüttelnde Arbeit ist Teil des engagierten Ausstellungs-projekts „Antifascism: Now.“, dessen erstes Kapitel noch bis Ende Juli 2026 in der Lothringer 13 Halle in München zu sehen ist. Kalas Liebfried, seit 2025 für fünf Jahre Leiter der von der Landeshauptstadt München geförderten städtischen Ausstellungs-halle, versammelt für sein erstes großes Projekt, das jetzt auf rund 800 Quadratmetern präsentiert wird, 20 teils raumgreifende Werke von rund 50 Künstler:innen überwiegend in den Medien Installation, Video, Malerei, Zeichnung, Skulptur, Objet trouvé und Virtual Reality. Im Zentrum der vom Goethe Institut Region Osteuropa umfangreich geförderten Schau stehen überwiegend Künstler:innen aus Südosteuropa oder solche, die sich mit den drängenden Problemen dieser Region beschäftigen. „Antifascism: Now“ ist ein viel Zeit und Raum in Anspruch nehmendes nomadisches Langzeit-Projekt, das nach dem Kick-Off in München in den nächsten zweieinhalb Jahren in Partner-Institutionen unter anderem in Zagreb, Sarajevo, Priština, Bukarest, Lviv, Belgrad, Skopje, Athen und Istanbul Station machen wird. Mit einer resümierenden Schau im Aachener Ludwig Forum soll das Projekt dann Ende 2028 abgeschlossen werden.
Kalas Liebfried wurde 1989 im bulgarischen Swischtow geboren. Er hat an der Akademie der bildenden Künste München Bildhauerei und Time Based Media studiert. Zudem besitzt er einen Abschluss in Philosophie von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. In einem Interview mit dem Online-Kunstmagazin Gallery Talk Net anlässlich seiner Programmvorstellung skizzierte er 2025 seine Pläne für die Lothringer 13 Halle folgendermaßen: „Ich habe die Lothringer 13 Halle als einen Anti-Doom-Loop-Kult konzipiert. Es geht darum, künstlerische und kollektive Resilienzstrategien gegen die Krisenschleifen unserer Gegenwart zu entwickeln – ohne Dogma, ohne Guru.“

Bojan Stoičić: Seeking for a Person, Foto: Christian Kain
Die eigentlichen Ausstellungsräume der Lothringer 13 Halle befinden sich etwas versteckt in einem Hinterhof. Daher sorgt eine erste Arbeit bereits in einem Schaufenster direkt an der Straße für Aufmerksamkeit. Ein Textildruck des aus Bosnien-Herzegowina stammenden Künstlers Bojan Stojčić im Stil einer Zeitungsannnonce enthält folgenden Aufruf: „Mann (37) aus Sarajevo, Bosnien und Herzegowina, sucht nach einer Person, um über Antifaschismus zu sprechen.“ Dazu eine Handy-Nummer, die zur Kontaktaufnahme mit dem Künstler einlädt. Stojčić hat den Text zusätzlich als Anzeige in verschiedenen Münchner Tageszeitungen veröffentlicht.

Ismet Mujezinović : „Juriš“, 1947, Foto: Christian Kain
Angekommen in den eigentlichen Ausstellungsräumen, werden die Besucher:innen zunächst mit programmatisch aufgeladenen Arbeiten, teilweise mit historischen Bezügen, in Empfang genommen. Das älteste Werk der Schau ist das 1947 entstandene Gemälde „Juriš“ (Angriff) des bosnisch-herzegowinischen Künstlers Ismet Mujezinović (1907-1984). Es zeigt eine Gruppe heranstürmender Partisanen in Alltagskleidung, denen es offenbar gelingt, zwei uniformierte Soldaten der deutschen Wehrmacht zu überwältigen. Der Bildaufbau mit dem Träger einer roten Fahne als zentraler Figur, zerklüfteter Felsenlandschaft im Vordergrund und einem dramatisch aufgeladenen Wolkenhimmel lässt an Eugène Delacroix‘ berühmtes Revolutionsgemälde „Die Freiheit führt das Volk“ (1830) denken.

Office for Postartistic Services: „The Three Arrows“, Foto: Christian Kain
Das Thema Fahnen, Flaggen und Banner als Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit und Medium der visuellen Verdichtung politischer Ideen und Bestrebungen spielt auch in der Arbeit „The Three Arrows“ (2019/2026 fortlaufend) eine große Rolle. 2019 griff eine Gruppe polnischer Künstler:innen das 1931 entworfene antifaschistische Symbol der drei Pfeile künstlerisch wieder auf, indem die einzelnen Teilnehmer:innen es neu interpretierten. Ursprünglich entworfen hatten es Sergei Chakhotin und Carlo Mierendorff für die den Sozialdemokraten nahestehende Organisation „Eiserne Front“. In München zu sehen sind nun die polnischen Varianten, welche wiederholt am Polnischen Unabhängigkeitstag durch die Straßen Warschaus getragen wurden, und ein neues, von dem Münchner Künstler Alexander Scharf geschaffenes Exemplar.

Nikita Kadan_Fountain of People’s Friendship_Produced on behalf of the Prater Galerie Berlin in the workshops of hertzer GmbH_Foto Christian Kain
Unmittelbar in den aktuellen Eroberungsfeldzug der Russen in die Ukraine entführt die Arbeit „Fountain of People’s Friendship“ (2024) von Nikita Kadan. Der ukrainische Künstler bezieht sich auf ein in der ehemaligen Sowjetunion propagandistisch ausgeschlachtetes Monument aus den 1950er Jahren. Im Moskauer „Brunnen der Völkerfreundschaft“ verkörpern zwölf vergoldete Frauenfiguren die verschiedenen Sowjetrepubliken. Im Zentrum steht natürlich Russland selbst. Kadan hat für seine miniaturisierte und jeglicher Zierelemente beraubte Version des Brunnens billige Souvenirausführungen der Frauenfiguren ausgewählt. Einen besonders anklägerischen Charakter erfährt seine Arbeit zudem aus der Tatsache, dass die von ihm verwendeten Figuren aus Butscha stammen, der Stadt also, die zu Beginn des Krieges von den Russen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Über 400 Zivilist:innen wurden damals von der russischen Armee ermordet. Kadans aus den Trümmerbergen der Stadt aufgelesene Figuren können als Metaphern für diese Opfer gelesen werden. Sie sind verkohlt, zerbrochen und partiell geschmolzen. Sein einer negativen Utopie gleichkommender Brunnen strahlt eine düster-beklemmende Atmosphäre aus.

Nikita Kadan_Fountain of People’s Friendship_Detail_Produced on behalf of the Prater Galerie Berlin in the workshops of hertzer GmbH_Foto Christian Kain
Ebenfalls ins Extreme gesteigert sind auch seine „Universal Ruins“ (2024). Auf Leinwand gemalte Ruinenmotive aus Kyiv und Gaza komprimiert er zu imaginären Landschaftsdarstellungen, auf welche er Personifizierungen der Stille und des unbestimmten Wartens in Form bekannter Bildmotive Alberto Giacomettis und Constantin Brancusis collagiert hat.

Nikita-Kadan_Universal Ruins (Kyiv) & Universal Ruins (Gaza)_2024_Galerie Poggi
Talya Feldmans Arbeit „Sonics of Their Living“ (2026) im selben Raum könnte man fast übersehen, da sie sehr zurückgenommen an einer Wand steht. Es handelt sich um eine gewöhnliche Parkbank, die mit Kopfhörern ausgestattet ist. Die in Hamburg lebende amerikanische Künstlerin hat eine vielfältige Soundcollage zusammengestellt, die Reden, Gebete und Trauergesänge enthält. Feldman setzt sich mit der wechselvollen Geschichte der Münchner Synagoge in der Reichenbachstraße, aber auch mit dem 1970 erfolgten Brandanschlag auf ein benachbartes jüdisches Altersheim auseinander, bei dem sieben Bewohner:innen ermordet wurden. Sie weckt mit der zugleich dokumentarischen wie spirituellen und emotionalen Arbeit Erinnerungen an die Kontinuität antisemitischer Vorfälle, schafft aber gleichzeitig auch einen Resonanzraum für die Opfer und ihre Nachfahren. Im Juni 2026 wird Feldman im Münchner Stadtraum eine Reihe von Performances zeigen. Dabei geht es um den Auftakt eines Prozesses, den sie auch an den zukünftigen Stationen der Schau in Südosteuropa fortsetzen wird. Eine daraus resultierende große Videoarbeit wird dann 2028 in Aachen zu sehen sein.

Total Refusal_World at Stake_Foto: Christian Kain
Was ist überhaupt Faschismus im 21. Jahrhundert? Einer, dessen Name immer wieder genannt wird, wenn es um eine gegenwartsbezogene Faschismusdefinition geht, ist der 1969 geborene amerikanische Philosoph Jason Stanley. Zu den zehn Merkmalen, die er in seinem vielzitierten Buch „How Fascism Works“ als essentiell betrachtet, zählen der Rückgriff auf eine mythische Vergangenheit, allgegenwärtige staatliche Propaganda, Anti-Intellektualismus, das Denken in starren Hierarchien, die Ausgrenzung sexueller Minderheiten bei gleichzeitiger Überhöhung „traditioneller“ Familienwerte sowie ganz allgemein die Spaltung der Gesellschaft in ein „Wir“ und ein „Sie“. Stanley, der bis 2025 eine Professur an der Yale University in Connecticut bekleidete, hat die USA mittlerweile verlassen. Er lehrt jetzt an der University of Toronto. Da er, ein Sohn deutscher Holocaust-Überlebender, die Wissenschaftsfreiheit in den USA, auch durch vorauseilenden Gehorsam seitens einiger Universitätsleitungen, bedroht sieht, bezeichnet er diesen Schritt als alternativlos. Gegenüber dem Londoner Guardian begründete er die Entscheidung, seine von Donald Trump regierte Heimat zu verlassen, so: „Zum Teil geht es darum, dass man weggeht, weil es letztendlich so ist, als würde man Deutschland 1932, 1933, 1934 verlassen. Es gibt eine Parallele: Meine Großmutter verließ Berlin 1939 mit meinem Vater. Es ist also eine Familientradition.“

Bojan Stojčić_Seeking for a Person_2026_Foto Christian Kain
Doch Stanley steht nicht allein da, wenn es um die Anwendung von Faschismus-Theorien auf aktuelle Politik geht. Der ebenfalls aus den USA nach Kanada abgewanderte Historiker Timothy Snyder, ebenfalls Jahrgang 1969, beschreibt in seinen Arbeiten den massiven Einfluss der Technologie-Oligarchen aus dem Silicon Valley auf politische Entscheidungen in Washington. Darin dürfte er sich auch mit der deutschen Philosophin Eva von Redecker einig sein, die in ihrem gerade erschienenen Buch „Dieser Drang nach Härte: Über den neuen Faschismus“ die „entfesselte Eigentumslogik im Hyperkapitalismus“ als zentrales Movens für faschistische Verhaltensweisen herauskristallisiert.
In Bezug auf Putins Russland divergieren die wissenschaftlichen Einschätzungen hingegen. Während einige Expert:innen Putins Politik spätestens seit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine ganz klar als faschistisch bezeichnen, beschränken sich andere auf Bezeichnungen wie nationalistisch-autoritär, totalitär oder hart-autokratisch.

Portable Museum of Rebellious Art_W(e) A(re) R(ebellious), Foto: Christian Kain
Die Münchner Ausstellung bemüht sich denn auch weniger um eine eigene Faschismus-Definition, vielmehr geht es ihr darum, zu klären, was heute unter dem Begriff Antifaschismus zu verstehen ist. „Wer keinen Faschismus will, kann und sollte gegen Faschismus – also antifaschistisch – handeln, unabhängig davon, wo man sich innerhalb des demokratischen Spektrums verortet“, beschreibt Kalas Liebfried einen Grundkonsens für das verantwortungsvolle Verhalten in alltäglichen Situationen und Konflikten. Das, was Faschismus ist, wird von der Ausstellung also primär ex-negativo definiert. Alles, was das Gegenteil von Antifaschismus ist, als Faschismus zu etikettieren, greift allerdings ein wenig zu kurz und bringt einen gewissen Verlust der analytischen Schärfe mit sich. Doch letztlich sind das Detailfragen. Ein Projekt wie dieses braucht wohl ganz einfach eine prägnante Kernbotschaft.

Installationsnasicht Antifascism: Now, Lothringer 13 Halle, Foto: Christian Kain
Doch zurück in die Ausstellung. Einen sehr speziellen Aspekt des Ukraine-Krieges beleuchten die Aquarelle von Davyd Chychkan. Sie zeigen unter dem Titel „With Gibbons and Flags“ (2022-2024) Gruppenporträts von Soldat:innen, die auf der Seite der Ukraine kämpfen, darunter auch Freiwillige aus dem Ausland. Was sie alle eint, ist die Verortung im linken bzw. links-anarchistischen Spektrum. Chychkan wollte mit dieser Serie zeigen, dass in den ukrainischen Streitkräften, im Gegensatz zur rein imperial-faschistisch ausgerichtet russischen Armee, ein breites gesellschaftliches Spektrum zusammenkommt, um gegen den Aggressor zu kämpfen. Auch Chychkan selbst entschloss sich, nach Fertigstellung dieser Serie an die Front zu gehen, wo er am 10. August 2025 bei einem russischen Vorstoß zu Tode gekommen ist.

Forensic Architecture: „The Murder of Pavlos Fyssas“ (2018) Foto: Christian Kain
„Antifascism: Now“ versammelt zum Teil sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nehmende Werke, wie etwa das 2018 entstandene Video „The Murder of Pavlos Fyssas“ von dem multidisziplinären britisch-israelischen Recherche-Kollektiv Forensic Architecture, in welchem die Ermordung eines antifaschistischen Rappers durch griechische Neonazis untersucht wird. Oder aber verschiedene Dokumentarvideos aus dem Reporting House in Priština, einem Museum für zeitgenössische Geschichte und Journalismus. In „Bread Protest“ etwa sind Aufnahmen einer gewaltfreien Protestaktion von kosovo-albanischen Frauen gegen die serbischen Belagerer der Stadt Drenica aus dem Jahr 1998 zu sehen, die damals weltweit ausgestrahlt wurden.
Gleich mehrere Arbeiten sind mit Trigger Warnungen versehen. So zum Beispiel „Hello-82 / Privet-82“ (2026) von Lexi Fleurs & Nikol Goldman. Hier sollten sich die Betrachter:innen genau überlegen, ob sie sich wirklich per VR-Headset in die Rolle eines russischen Drohnenpiloten versetzen wollen, der Jagd auf Menschen macht.

Lexi Fleurs & Nikol Goldman: „Hello-82 / Privet-82“ (2026) Foto: Christian Kain
Das zentrale Herzstück des Ausstellungsprojekts stellt der „Assembly Space“ (2026) der Münchner Künstler:innen Gülbin Ünlü und Benedikt Gahl zusammen mit ansa studios dar. Einem Miniparlament mit ständig wechselnder Besetzung ähnelnd, haben Ünlü und Gahl eine multifunktionale, modulartige Architektur entworfen, die sowohl als Bühne als auch als Forum für Vortragsveranstaltungen, Workshops, Panels oder andere Formate mit Publikumsbeteiligung genutzt werden kann. Auf bedruckten transparenten Raumteilern, die mittels historischer Aufnahmen und Symbole an die antifaschistische Praxis früherer Avantgardebewegungen erinnern, eröffnen die beiden Reflexionsräume, die weit über die Tagesaktualität hinausgehen. Der „Assembly Space“ wird an allen zukünftigen Stationen der Schau zugegen sein, sich aber jeweils ortsspezifisch verändern und weiterentwickeln. Darf und sollte Kunst politisch sein? Das ist eine Frage, die von Gegnern und Befürwortern – mit jeweils guten Argumenten – sehr unterschiedlich beantwortet wird.

Gülbin Unlü & Benedikt Gahl mit Ansa Studios: Assembly (2026), Foto: Christian Kain
„Antifascism: Now“ ist ein über das gängige Format einer Wanderausstellung weit hinausgehendes Projekt, dessen weiterer Ablauf zwar geografisch und kalendarisch weitgehend festgelegt ist. Doch wir befinden uns, gerade auch angesichts des Ukraine-Krieges, in einer weltpolitisch äußerst dynamischen Situation. Hinzu kommen Spannungen auf dem Westbalkan, die Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit der Slowakei durch den aktuellen Ministerpräsidenten Robert Fico, die Bedrohung der Medienfreiheit in Tschechien durch den rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš und der erdrutschartige Wahlsieg des pro-russischen Ruben Radew in Bulgarien. Wachsamkeit seitens demokratischer Kräfte, also auch seitens einer aufgeklärten Künstlerschaft, ist also angesagt. Die Münchner Auftaktausstellung von „Antifascism: Now“ motiviert genau dazu. Und das ist angesichts der aktuellen politischen Stimmung nötiger denn je.

Total Refusal_Sons and True Sons, Foto: Christian Kain
Auf einen Blick:
Ausstellung: Antifascism: Now.
Ort: Lothringer 13 Halle, München
Zeit: bis 31. Juli 2026, Mi-Fr 12-20 Uhr, Sa, So, Feiertage: 10-18 Uhr, Mo, Di geschlossen
Katalog: ein kostenloses Ausstellungs-Booklet ist vor Ort erhältlich
Internet: www.lothringer13.com

Reporting House_Fragments of Survival-Foto: Christian Kain
