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Startrampe für die nächste Generation

22.06.26  Von Nicole Buesing und Heiko Klaas


Die Liste Art Fair Basel erwies sich auch mit ihrer 31. Ausgabe als Entdeckermesse im wahrsten Sinne – ein Rückblick mit ausgewählten Positionen

 


Liste 2026 VIP Preview
Image: Silke Briel, Courtesy Liste Art Fair Basel

Auch in diesem Jahr erwies sich die seit 1996 auf frische Positionen spezialisierte Kunstmesse Liste in Basel wieder als die wichtigste Fundgrube für neugierige und aufgeschlossene Sammler:innen, Kurator:innen und Kritiker:innen aus der ganzen Welt. 105 Galerien aus 36 Ländern verteilten sich auf 73 Solo-Präsentationen, 23 Gruppenpräsentationen und vier sogenannte Joint Booths. 41 Galerien stellten in diesem Jahr erstmals auf der Liste aus.

 

Cécile Lempert: Installationsansicht, Courtesy Super Super Markt

Aus Berlin angereist war die 2022 gegründete Galerie Super Super Markt. Sie zeigte eine Solo-Präsentation der 1994 geborenen Kölner Künstlerin Cécile Lempert, die an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderem bei Peter Piller studiert hat. Lempert malt in ganz unterschiedlichen Formaten. Ihre oft in gedeckten, erdigen Farben ausgeführten Bilder können dabei als radikales Bekenntnis zur figurativen Malerei gelesen werden. Gleichzeitig erweist sich die Künstlerin, die ihre Sujets sowohl aus der eigenen Biografie und Familiengeschichte als auch aus ihrer Auseinandersetzung mit der Kunst- oder Filmgeschichte herleitet, aber auch als genaue Beobachterin emotionaler Befindlichkeiten und Gemütszustände ihrer überwiegend weiblichen Protagonist:innen. Am Stand zeigte sie unter anderem ein Selbstporträt mit den Abmessungen 50 x 180 cm, das sie liegend auf einem Sofa zeigt. Klassisch mit einer weißen Bluse, einem dunklen Rock und dunklen Strümpfen bekleidet, strahlt die Künstlerin auf diesem Bild einen hohen Grad von Zeitlosigkeit oder sogar Überzeitlichkeit aus, der auch ihren anderen Werken innewohnt. Die Arbeiten waren zu Preisen zwischen 4.500 und 13.000 Euro im Angebot.

Galerie Parcel, Tokio, Installationsansicht Masamitsu Shigeta, Courtesy Parcel

Eine Auswahl ganz besonderer Gemälde hatte auch die 2019 gegründete Galerie Parcel aus Tokio mit nach Basel gebracht. Der 1992 in Tokio geborene Masamitsu Shigeta lebt zur Zeit zwischen Tokio, New York und Hongkong. Auf seinen vielen Reisen, auch nach Europa, entstehen Stadtimpressionen und Landschaftsbilder, auf welchen er mit einer gewissen Sparsamkeit der malerischen Mittel dennoch sehr genau die architektonischen Details und typischen Elemente der bereisten Orte festhält. Das kann ein Weihnachtsmarkt in Süddeutschland ebenso sein wie ein entlegener Bahnhof irgendwo in den Alpen oder ein Laubbaum, der sich gegen die hoch aufragenden Wolkenkratzer in einer Metropole behaupten muss. Der Clou: Masamitsu Shigeta verwendet ausschließlich selbstgebaute Rahmen aus ausrangierten Möbelstücken, die er teils seinem eigenen familiären Umfeld entnimmt, teils aber auch von Freunden und Bekannten erhält. Die gegen Ende der Messe noch verfügbaren Gemälde kosteten zwischen 3.870 Euro und 6.030 Euro.

 

Masamitsu Shigeta
A Big tree, 2026
Acrylic on canvas with wood frame and metal hinge
54 x 88.5 x 3 cm (opened)
54 x 44 x 4.5 (closed)

Die 2014 gegründete Copperfield Gallery aus London wiederum zeigte hochästhetische, aber auch mit einer untergründigen Explosivität aufgeladene Foto-Assemblagen des 1992 geborenen litauischen Künstlers Vytautas Kumža, der seit seinem Studium an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam lebt und arbeitet. Aufgewachsen in prekären Lebensverhältnissen, musste Kumža in seiner Kindheit und Jugend die Erfahrung machen, dass vorübergehende familiäre Harmonie jederzeit in Gewalt umschlagen konnte.

Vytautas Kumža: Are you asleep? 2025, Courtesy of the artist and Copperfield, London, Copyright of the artist

 

Auf Kumžas Kompositionen aus perfekt gerahmten Fotografien von Menschen, Objekten oder Früchten und darauf geschraubten Objekten, wie etwa Austernschalen, einem alten Küchenmesser, einer Glasscherbe oder kleinen Vorhängeschlössern, entfaltet sich eine am Surrealismus und wohl auch an der Psychoanalyse geschulte ästhetische Praxis, die ebenso überwältigt wie irritiert. Die Objekte oszillieren zwischen den Polen Spiel und Ernst, Lust und Gewalt, Freiheit und Fremdbestimmtheit. Vytautas Kumžas Arbeiten befinden sich bereits in vielen internationalen Sammlungen. So etwa in der des Stedelijk Museum Amsterdam, der Nationalgalerie in Prag oder des Museum of Photography in Seoul.

Vytautas Kumža: Delicate Shift, 2026
Courtesy of the artist and Copperfield, London, Copyright of the artist

 

 

Die 2023 von zwei jungen Künstlerinnen gegründete Galerie Turnus aus Warschau hatte eine Präsentation von zwei Künstlern im Gepäck. Piotrek Kowalski, Jahrgang 1997, ein Absolvent der Warschauer Kunstakademie, baut Skulpturen und Stelen aus monochrom lackiertem Stahl, die zunächst aussehen, als wären sie aus profanen grünen, schwarzen und blauen Aktenordnern ganz einfach zusammengesteckt. Was zunächst so billig und beiläufig wirkt, ist in Wirklichkeit jedoch sehr aufwändig hergestellt. Den lässigen Rekurs auf den vordigitalen Büroalltag verrätselt Kowalski zusätzlich noch durch kleine Ablageflächen innerhalb seiner Skulpturen, die er mit Kabelbindern, Plastikjetons, Registerkarten und anderen Dingen füllt.

 

Liste 2026, Impressions from the fair: Gunia Nowik Gallery, Warsaw
Image: Silke Briel, Courtesy Liste Art Fair Basel

Ebenso am Stand waren Objektfotografien von Tomek Tofilski, Jahrgang 1996, zu sehen, der an der Filmhochschule Łódź studiert hat. Tofilski klebt seine Aufnahmen etwa von Heizkörpern, Heizkörperverkleidungen oder Warmwasserboilern auf Karton- oder Holzuntergründe und überzieht sie so großzügig mit Klarlack, dass die Oberflächen am Ende leicht wellig daherkommen. Doch gerade diese gewollte Imperfektion macht die Arbeiten interessant. Objekte aus der Zeit des Sozialismus und der Nachwendezeit halten sich bei ihm ungefähr die Waage. „Wir finden, diese beiden Präsentationen gehen sehr gut zusammen“, sagt Turnus-Galeristin Marcelina Gorczyńska und ergänzt „Wir erfahren gute Resonanz hier auf der Liste.“

 

Liste 2026, Impressions from the fair: Courtney Jaeger, Basel (Wall)
Image: Silke Briel, Courtesy Liste Art Fair Basel

Fast jede der teilnehmenden Galerien auf der Liste hofft natürlich, nach ein paar Jahren den Sprung auf die Art Basel zu schaffen. So gelang beispielsweise in diesem Jahr der Wiener Galerie Sophie Tappeiner nach einigen erfolgreichen Jahren auf der Liste die Aufnahme in die Statement Sektion der Art Basel. Daher ist und bleibt die Liste, als vielbeachtete kleinere Schwester der Art Basel das wichtigste Sprungbrett für eine erfolgreiche Galeriearbeit und für so manche Künstlerkarriere.

 

Impressions, Liste Art Fair Basel 2026
Image: Silke Briel, Courtesy Liste Art Fair Basel

 

 

 

Auf einen Blick:

Messe: Liste Art Fair Basel

Ort: Messe Basel, Halle 1.1.

Zeit: 15.-21. Juni 2026 (abgelaufen)

Nächster Termin: 14.-20. Juni 2027

Internet: www.liste.ch

BaselGalerienKunstmarktKunstmesseListe Art Fair BaselSammler
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Nicole Buesing und Heiko Klaas
Nicole Büsing und Heiko Klaas sind seit 1997 als freie Kunstjournalisten und Kritiker für zahlreiche Magazine, Tageszeitungen und Online-Magazine tätig. Daneben schreiben sie auch Katalogbeiträge. Sie leben in Hamburg und Berlin. Regelmäßige Veröffentlichungen über Kunst und Kunstmarkt z.B. in Kunstmarkt.com, Monopol, Artmapp, Hatjecantz.de, Artist Kunstmagazin, Artline, Spiegel online, DARE, Kultur & Gespenster, Photonews, Kunsttermine, Zeitkunst, Künstler-Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Next Level, Art, Die Welt, Der Tagesspiegel, www.artlog.net, diverse regionale Tageszeitungen wie Kieler Nachrichten, Weser-Kurier, Neue Osnabrücker Zeitung, Saarbrücker Zeitung, Südkurier, Nürnberger Nachrichten, Flensburger Tageblatt, Freie Presse, etc. klaas.buesing@gmail.com




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