Die Liste Art Fair Basel erwies sich auch mit ihrer 31. Ausgabe als Entdeckermesse im wahrsten Sinne – ein Rückblick mit ausgewählten Positionen

Liste 2026 VIP Preview
Image: Silke Briel, Courtesy Liste Art Fair Basel
Auch in diesem Jahr erwies sich die seit 1996 auf frische Positionen spezialisierte Kunstmesse Liste in Basel wieder als die wichtigste Fundgrube für neugierige und aufgeschlossene Sammler:innen, Kurator:innen und Kritiker:innen aus der ganzen Welt. 105 Galerien aus 36 Ländern verteilten sich auf 73 Solo-Präsentationen, 23 Gruppenpräsentationen und vier sogenannte Joint Booths. 41 Galerien stellten in diesem Jahr erstmals auf der Liste aus.

Cécile Lempert: Installationsansicht, Courtesy Super Super Markt
Aus Berlin angereist war die 2022 gegründete Galerie Super Super Markt. Sie zeigte eine Solo-Präsentation der 1994 geborenen Kölner Künstlerin Cécile Lempert, die an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderem bei Peter Piller studiert hat. Lempert malt in ganz unterschiedlichen Formaten. Ihre oft in gedeckten, erdigen Farben ausgeführten Bilder können dabei als radikales Bekenntnis zur figurativen Malerei gelesen werden. Gleichzeitig erweist sich die Künstlerin, die ihre Sujets sowohl aus der eigenen Biografie und Familiengeschichte als auch aus ihrer Auseinandersetzung mit der Kunst- oder Filmgeschichte herleitet, aber auch als genaue Beobachterin emotionaler Befindlichkeiten und Gemütszustände ihrer überwiegend weiblichen Protagonist:innen. Am Stand zeigte sie unter anderem ein Selbstporträt mit den Abmessungen 50 x 180 cm, das sie liegend auf einem Sofa zeigt. Klassisch mit einer weißen Bluse, einem dunklen Rock und dunklen Strümpfen bekleidet, strahlt die Künstlerin auf diesem Bild einen hohen Grad von Zeitlosigkeit oder sogar Überzeitlichkeit aus, der auch ihren anderen Werken innewohnt. Die Arbeiten waren zu Preisen zwischen 4.500 und 13.000 Euro im Angebot.

Galerie Parcel, Tokio, Installationsansicht Masamitsu Shigeta, Courtesy Parcel
Eine Auswahl ganz besonderer Gemälde hatte auch die 2019 gegründete Galerie Parcel aus Tokio mit nach Basel gebracht. Der 1992 in Tokio geborene Masamitsu Shigeta lebt zur Zeit zwischen Tokio, New York und Hongkong. Auf seinen vielen Reisen, auch nach Europa, entstehen Stadtimpressionen und Landschaftsbilder, auf welchen er mit einer gewissen Sparsamkeit der malerischen Mittel dennoch sehr genau die architektonischen Details und typischen Elemente der bereisten Orte festhält. Das kann ein Weihnachtsmarkt in Süddeutschland ebenso sein wie ein entlegener Bahnhof irgendwo in den Alpen oder ein Laubbaum, der sich gegen die hoch aufragenden Wolkenkratzer in einer Metropole behaupten muss. Der Clou: Masamitsu Shigeta verwendet ausschließlich selbstgebaute Rahmen aus ausrangierten Möbelstücken, die er teils seinem eigenen familiären Umfeld entnimmt, teils aber auch von Freunden und Bekannten erhält. Die gegen Ende der Messe noch verfügbaren Gemälde kosteten zwischen 3.870 Euro und 6.030 Euro.

Masamitsu Shigeta
A Big tree, 2026
Acrylic on canvas with wood frame and metal hinge
54 x 88.5 x 3 cm (opened)
54 x 44 x 4.5 (closed)
Die 2014 gegründete Copperfield Gallery aus London wiederum zeigte hochästhetische, aber auch mit einer untergründigen Explosivität aufgeladene Foto-Assemblagen des 1992 geborenen litauischen Künstlers Vytautas Kumža, der seit seinem Studium an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam lebt und arbeitet. Aufgewachsen in prekären Lebensverhältnissen, musste Kumža in seiner Kindheit und Jugend die Erfahrung machen, dass vorübergehende familiäre Harmonie jederzeit in Gewalt umschlagen konnte.

Vytautas Kumža: Are you asleep? 2025, Courtesy of the artist and Copperfield, London, Copyright of the artist
Auf Kumžas Kompositionen aus perfekt gerahmten Fotografien von Menschen, Objekten oder Früchten und darauf geschraubten Objekten, wie etwa Austernschalen, einem alten Küchenmesser, einer Glasscherbe oder kleinen Vorhängeschlössern, entfaltet sich eine am Surrealismus und wohl auch an der Psychoanalyse geschulte ästhetische Praxis, die ebenso überwältigt wie irritiert. Die Objekte oszillieren zwischen den Polen Spiel und Ernst, Lust und Gewalt, Freiheit und Fremdbestimmtheit. Vytautas Kumžas Arbeiten befinden sich bereits in vielen internationalen Sammlungen. So etwa in der des Stedelijk Museum Amsterdam, der Nationalgalerie in Prag oder des Museum of Photography in Seoul.

Vytautas Kumža: Delicate Shift, 2026
Courtesy of the artist and Copperfield, London, Copyright of the artist
Die 2023 von zwei jungen Künstlerinnen gegründete Galerie Turnus aus Warschau hatte eine Präsentation von zwei Künstlern im Gepäck. Piotrek Kowalski, Jahrgang 1997, ein Absolvent der Warschauer Kunstakademie, baut Skulpturen und Stelen aus monochrom lackiertem Stahl, die zunächst aussehen, als wären sie aus profanen grünen, schwarzen und blauen Aktenordnern ganz einfach zusammengesteckt. Was zunächst so billig und beiläufig wirkt, ist in Wirklichkeit jedoch sehr aufwändig hergestellt. Den lässigen Rekurs auf den vordigitalen Büroalltag verrätselt Kowalski zusätzlich noch durch kleine Ablageflächen innerhalb seiner Skulpturen, die er mit Kabelbindern, Plastikjetons, Registerkarten und anderen Dingen füllt.

Piotrek Kowalski:
„segregator ii“, 2026
Photo by Bartek Zalewski
Ebenso am Stand waren Objektfotografien von Tomek Tofilski, Jahrgang 1996, zu sehen, der an der Filmhochschule Łódź studiert hat. Tofilski klebt seine Aufnahmen etwa von Heizkörpern, Heizkörperverkleidungen oder Warmwasserboilern auf Karton- oder Holzuntergründe und überzieht sie so großzügig mit Klarlack, dass die Oberflächen am Ende leicht wellig daherkommen. Doch gerade diese gewollte Imperfektion macht die Arbeiten interessant. Objekte aus der Zeit des Sozialismus und der Nachwendezeit halten sich bei ihm ungefähr die Waage. „Wir finden, diese beiden Präsentationen gehen sehr gut zusammen“, sagt Turnus-Galeristin Marcelina Gorczyńska und ergänzt „Wir erfahren gute Resonanz hier auf der Liste.“

Stand der Galerie Turnus, Warschau, Foto: GRAYSC
Die Kölner Galerie Khoshbakht wiederum zeigte den 1991 in New Delhi geborenen indischen Künstler Prateek Vijan in einer Einzelpräsentation. Der jetzt in Berlin lebende Vijan hat 2023 seinen Master-Abschluss an der HFBK Hamburg gemacht. Im Anschluss daran wurde er mit Kunstpreisen geradezu überhäuft. Unter anderem erhielt er den Hiscox Kunstpreis für Absolvent:innen der HFBK, das Reisestipendium des Vereins Neue Kunst in Hamburg und zuletzt den ars-viva Preis 2026.

Stand der Galerie Khoshbakht, Köln mit Arbeiten von Prateek Vijan, Foto: GRAYSC, Courtesy the artist and Galerie Khoshbakht
Am Stand in Basel zeigte die Galerie Khoshbakht in einem stark abgedunkelten Raum und vor schwarzen Wänden unter anderem eine Reihe von Wandobjekten in Form ausrangierter Kühlschranktüren aus Edelstahl, welche der Künstler mit Transferdrucken von eigenen Fotografien und Handgravuren versehen hat. Sie sind Teil eines größeren, auch mit aktivistischen Anteilen unterfütterten Rechercheprojekts, in welchem sich Vijan kritisch mit dem Thema Raubkunst während der britischen Kolonialzeit auseinandersetzt. Auf den transferierten Motiven sind Details des Sicherheits- und Überwachungsapparats im Londoner Victoria & Albert Museum, bis heute einem der zentralen Verwahrorte der geraubten Artefakte, zu erkennen. Vijans zwischen Roughness und Sensibilität oszillierende Metalloberflächen befinden sich bereits in so hochkarätigen Sammlungen wie der der Hamburger Kunsthalle und der Bundeskunstsammlung.

Prateek Vijan, Galerie Khoshbakht, Köln, Foto: Choreo, Courtesy the artist and Galerie Khoshbakht
Fast jede der teilnehmenden Galerien auf der Liste hofft natürlich, nach ein paar Jahren den Sprung auf die Art Basel zu schaffen. So gelang beispielsweise in diesem Jahr der Wiener Galerie Sophie Tappeiner nach einigen erfolgreichen Jahren auf der Liste die Aufnahme in die Statement Sektion der Art Basel. Daher ist und bleibt die Liste, als vielbeachtete kleinere Schwester der Art Basel das wichtigste Sprungbrett für eine erfolgreiche Galeriearbeit und für so manche Künstlerkarriere.

Impressions, Liste Art Fair Basel 2026
Image: Silke Briel, Courtesy Liste Art Fair Basel
Auf einen Blick:
Messe: Liste Art Fair Basel
Ort: Messe Basel, Halle 1.1.
Zeit: 15.-21. Juni 2026 (abgelaufen)
Nächster Termin: 14.-20. Juni 2027
Internet: www.liste.ch

Liste 2026, Impressions from the fair: Gunia Nowik Gallery, Warsaw
Image: Silke Briel, Courtesy Liste Art Fair Basel

